Zugfenster soll Werbung direkt ins Gehirn pflanzen

Fahrgäste könnten demnächst von lautlosen Werbebotschaften aus Zugfenstern berieselt werden. Dabei soll die Werbung über Vibrationen der Scheibe über den Schädelknochen direkt ins Gehirn des Fahrgastes übertragen werden.

Reklametafeln und Werbevideos auf Flachbildschirmen gehören in vielen Zügen des Nahverkehrs zum gewohnten Bild. Künftig könnten die Fahrgäste aber auch mit gesprochenen Werbespots berieselt werden. Doch weil eine Beschallung durch Lautsprecher den Unmut der Passagiere hervorrufen dürfte, sollen die Zugfenster ihnen die Botschaften zuflüstern. Nur wer seinen Kopf ans Fenster lehne, könne die Worte hören, die von der Scheibe unmittelbar in den Kopf übertragen würden, sagte ein Sprecher der Werbeagentur BBDO Deutschland am Freitag.

Die zum größten US-Werbekonzern Omnicom gehörende Agentur macht sich dabei eine Technik zunutze, die bisher bei Gehörlosen eingesetzt wird. Ein kleines Gerät versetzt die Fensterscheibe in Schwingungen, die über den Schädelknochen am Ohr vorbei direkt an das Gehirn übertragen werden, wie der Sprecher erläuterte. „Es handelt sich um Hochfrequenzschwingungen, nicht um akustische Signale.“ BBDO arbeite dabei auf mit dem baden-württembergischen Hörgerätespezialisten Audiva zusammen.

BBDO: Fahrgäste sind begeistert

BBDO habe das in Düsseldorf entwickelte Verfahren zusammen mit seinem Werbekunden Sky Deutschland im Winter in Nahverkehrszügen in der Region München und zwischen Düsseldorf und Aachen getestet. Bei den Fahrgästen seien die „sprechenden Fenster“ durchweg auf begeisterte Reaktionen gestoßen. Beim internationalen Werbefestival in Cannes habe es die neue Werbetechnik im Rennen um die begehrten „Lions“-Preise immerhin in die engere Auswahl geschafft.

Ob das Verfahren als Werbekampagne eingesetzt werde, sei aber noch nicht entschieden, sagten Sprecher von BBDO und Sky Deutschland. Denkbar ist nach Angaben der Agentur auch, diese Technologie statt für Werbebotschaften zum Abspielen von Musik oder Nachrichten einzusetzen. Zu den großen deutschen Spezialisten für Außenwerbung zählt das Kölner Unternehmen Ströer, das neben Plakatwänden unter anderem auch Videoschirme in Bahnhöfen und Zügen betreibt.

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