Warum ist Gibraltar britisches Territorium?

Aufgrund eines gewissen Felsen an der Südspitze der iberischen Halbinsel protestiert Spanien wieder gegen Großbritannien. Gibraltar, eine 2.6 Quadratmeilen (6.7 Quadratkilometer) große Halbinsel und das Zuhause von ungefähr 30.000 Menschen, ist britisches Territorium, auf das Spanien lange Zeit Anspruch erhob. Diese Woche tauchte der alte Streit wieder auf, als spanische Beamte die Grenzkontrollen verschärften und dadurch für stundenlange Verzögerungen im Verkeher sorgten. Daraufhin drohte Spaniens Außenminister, um die Anwohner beider Seiten zu warnen, mit einer Gebühr von 50€ (67$) bei Übertritt der Grenze. Die Maßnahmen waren offensichtlich als Antwort auf den Entschluss der Regierung Gibraltars getroffen worden, da diese eindeutige Blockierungen ins Meer herablassen wollten um spanische Fischer, die beschuldigt wurden, gibraltarische Fische zu stehlen, abzuwehren. Vielleicht sogar wichtiger ist, dass die spanische Regierung verzweifelt das Thema von einem laufendem Parteikorruptionsskandal, der drohte, den Premierminister Mariano Rajoy untergehen zu lassen, ändern möchte. Ein Telefongespräch am 7. August zwischen Rajoy und David Cameron, dem Premierminister von Großbritannien, entschärfte die Spannungen anscheinend etwas. Aber warum ist Gibraltar, das 1000 Meilen (1609.3 km) südlich von London liegt, an erster Stelle britisches Territorium?

Die Tage, an denen die Sonne niemals auf Britischen Reich unterging, sind längst vergangen. Aber Großbritannien besitzt 14 „Übersee Territorien“, die auf der ganzen Welt, vom Pazifik bis zum südlichen Atlantik verbreitet sind. Mit Außnahme des Britischen Gebietes in der Antarktik, eine eingekeilte Wildness, die von einigen Forschern und vielen Pinguinen bewohnt wird, sind es nur kleine Territorien, die in Besitz von Großbritannien sind. Die Pitcairninseln, die grob gesagt zwischen Neuseeland und Peru liegen, sind die Heimat von ungefähr 50 Menschen; Bermuda, das dichtbesiedelste der Gebiete, hat nur ungefähr 65.000 Bewohner. Viele, eingeschlossen Gibraltar, waren der Standort für die königlichen Marine Stationen. Heutzutage verdienen sie eher ihr Geld durch Tourismus und Offshore-Finanzwirtschaft.

Gibraltar steht seit 1704 unter der Souveränität des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und wurde nach dem Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-14 offiziell unter dem Frieden von Utrecht abgetreten. Karl II von Spanien, genannt der „Verhexte“, weil er an gravierenden physischen und geistigen Krankheiten litt, starb im Jahr 1700 kinderlos. Weil zunächst unklar war, wer sein Nachfolger werden sollte, versuchten Europas Großmächte, ihre eigenen Favoritenkandidaten an die Macht zu bringen und lösten so bald darauf den Spanischen Erbfolgekrieg aus. Im August 1704 nahmen britische Soldaten, die zusammen mit Aliierten auf Seiten des Habsburger Thronprätendenten Karl kämpften, den Felsen – wie Gibraltar genannt wird – ein. Der Krieg dauerte bis 1713 an, bis durch den Frieden von Utrecht Philip V, Enkel des Königs von Frankreich, zum Thronnachfolger bestimmt wurde. Als Teil des Abkommens wurden einige spanische Gebiete an andere Länder verteilt. Großbritannien erhielt Gibraltar, sowie die Insel Menorca, die von mehreren Ländern erobert wurde, bevor sie 1802 als Teil des Friedens von Amiens an Spanien zurückgegeben wurde.

Gibraltar steht seitdem unter der britischen Souveränität – trotz mehrerer Versuche Spaniens, das Gebiet zurückzuerobern. Darunter auch eine erfolglose, fast vierjährige Belagerung durch Spanien, die im Jahre 1783 endete. Unter der Diktatur von General Francisco Franco schloss Spanien seine Grenze zu Gibraltar komplett – und wurde erst kurz vor dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union im Jahre 1985 wieder geöffnet. Abgesehen von vereinzelten Fischerbooten ist wohl keine weitere Invasion zu erwarten. Doch die Spanier erheben immer noch Anspruch auf das Gebiet. Die Bewohner des Felsens sind sich uneinig. Die Bewohner Gibraltars sprachen sich in Volksenscheiden, die in den Jahren 1967 und 2002 durchgeführt wurden, fast einstimmig für die Erhaltung der Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich aus.

Es sieht ganz danach aus, als würde Grossbritannien ihr Stückchen Mittelmeerküste behalten. Für Spanien würde das kaum einen Unterschied machen : würden die Briten Gibraltar den Spaniern überlassen, so würden die Katalanen, die ihre Autonomie zu Spanien infolge des Friedens von Utrecht verloren, dies als interesannten Präzedenzfall betrachten.

 

 

 

 

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