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Ein Headset, das Gedanken liest … und den Tisch verrückt

Sie lesen Gedanken, analysieren den Schlaf, die Bewegungen und was auf dem Menüplan steht – elektronische Innovationen, wie digitale Armbänder oder Neuro-Headsets. Gezeigt werden sie auf der DLDwomen 2013 in München.

Sie dachten Sie kennen sich selber ganz gut? Weit gefehlt – oder wissen Sie wie viele Schritte Sie am Tag gehen, wie viele Kalorien Sie zu sich nehmen, wie gut Sie schlafen und wie Sie denken? Anhänger der Quantified-Self-Bewegung, die ursprünglich aus Amerika kommt, wollen das alles ganz genau wissen. Deshalb haben Firmen elektronische Geräte entwickelt, die das Leben jedes Einzelnen analysieren. Etwa ein Neuro-Headset, das drahtlos mit einen Laptop zusammenarbeitet oder ein Armband, das vibriert, wenn sich der Träger 25 Minuten lang nicht bewegt.

Das Headset, das Gedanken liest

Auf dem Bildschirm sind Bilder von sich umarmenden Menschen, streichelnden Händen, Bergen, Wiesen und neuen Technologien zu sehen. Davor sitzt eine junge Frau, die das Gezeigte aufmerksam betrachtet. Auf ihrem Kopf trägt sie eine Art Hinterkopf-Haarreifen mit Fühlern. Diese Sensoren messen ihre Gehirnströme, wandeln sie in elektrische Signale um und senden sie an ein iPad oder einen Computer, der die Daten auswertet.

Das Neuro-Headset der Firma Emotiv Lifesciences gibt es bereits seit drei Jahren. Es funktioniert wie ein EEG. „Das neue daran sind die verbesserte Elektronik und die guten Sensoren“, sagt Tan Le, Mitbegründerin der Firma, auf der DLDwomen 2013. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen EEG, das hauptsächlich im klinischen Kontext zur Anwendung kommt, sei das Headset von Emotiv kleiner, leichter, gut tragbar, günstiger und könne dennoch die komplexe Verarbeitung eines EEGs leisten, sagt sie.

Breit gefächert einsetzbar

Seine Entwickler sehen die Anwendung des Headsets in vier Bereichen: Zum einen soll es die direkte Zusammenarbeit zwischen Gehirn und Computer ermöglichen. Der Nutzer soll einzig durch seine Gedanken Musik auf dem PC komponieren, Games spielen, oder einen Gegenstand, beispielsweise einen Tisch, auf dem Bildschirm drehen können. Zum anderen könne die neue Technologie helfen, produktiver zu arbeiten, sagt Le. Dadurch, dass das Headset dokumentiert welcher Bereich des Gehirns gerade aktiv ist, findet das zugehörige Computerprogramm heraus, wie gut sich der Anwender konzentrieren kann, ob ihm seine Tätigkeit gefällt, ob er gestresst ist und ähnliches.

Zudem soll das Headset in der Marktforschung zum Einsatz kommen. Bisher analysieren Wissenschaftler vor allem über das Eyetracking, also über Augenbewegungen, welche Werbungen sie aufmerksam werden lässt und wann ihre Aufmerksamkeit verloren geht. Zusammen mit dem Neuro-Headset könnten Forscher nun besser analysieren, wie und warum Menschen Entscheidungen treffen, sagt Le. Denn sie sehen, welche Gehirnbereiche der Versuchspersonen aktiv sind. Zuletzt nutzt die medizinische Forschung das Gerät, um neurologische Zusammenhänge besser zu verstehen.

 

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